Der lebendige Earthdawn - Charakter
Druckbare Version

  Neuer Beitrag mit dem letzten Update   Keine Aktualisierung durch das letzte Update                                


 

Earthdawn ist ein Rollenspiel das alleine durch seinen Aufbau schon mehr Gestaltungsmöglichkeiten was die Charaktere betrifft bietet wie zum Beispiel AD&D. In diesem kleinen Artikel soll es um die Ausarbeitung eines Earthdawn – Charakters gehen. Diesen Artikel kann der Spielleiter einem Spieler an die Hand geben und ihm damit eine Hilfestellung verschaffen die es ihm leichter macht individuelle Charaktere zu erschaffen.

Es wird davon ausgegangen das der Spieler mit den allgemeinen Regelmechanismen bei der Charaktererschaffung vertraut ist. Hier wird exemplarisch die Erschaffung eines Charakters durchgeführt.

Die Idee
Hinter jedem Charakter steht eine Idee. Zumindest eine grobe Vorstellung dessen was er darstellen soll. Oft geht man als Rollenspieler mit groben Vorbildern an die Charaktererschaffung. Folgende Fragen helfen bei der Eingrenzung der Disziplin: 

-         Ist der Charakter ein weltlicher Typus oder eher ein Spruchzauberer?

-     Welche Fähigkeiten hat der Charakter? Mit welchen Dingen kann er gut umgehen? Ein Schwert? Zaubersprüche? Bogen? Kann er vielleicht gut Geschichten erzählen? Hat er ein glückliches Händchen bei Tieren?

Wenn diese Grundsatzüberlegungen getroffen sind fallen die weiteren Schritte viel einfacher.

Mira möchte einen neuen Charakter für sich erschaffen. Sie entscheidet sich, entgegen ihrer sonstigen Vorlieben, mal etwas Neues auszuprobieren. Bisher hatte sie immer Zauberer gespielt, nun möchte sie mal einen bodenständigeren Charakter ausprobieren. Mira hat vor einiger Zeit ein Buch gelesen in dem der handelnde Charakter wunderbare Dinge mit seinem Schwert vollbringen konnte. Er war schnell, gewandt und sehr kampferfahren. Aber er kämpfte nie direkt. Immer versuchte er andere Leute zu schützen.

Entscheidung Nummer 1 – Die Disziplin
In Earthdawn ist die Disziplin mehr als nur ein Beruf. Sie ist die Sichtweise durch die der Charakter seine Umgebung filtert. Die Idee bildet immer den Grundstock bei der Auswahl einer geeigneten Disziplin. Hilfestellungen bei der Sichtweise der einzelnen Adepten gibt das Grundregelwerk oder das Erweiterungsband Der Weg des Adepten.

Mira entscheidet sich, ausgehend von ihrem Bild im Kopf, einen Krieger zu nehmen. Er ist schnell, besitzt gute Kampfestalente.

Entscheidung Nummer 2 – Art der Attributsgenerierung
Wie in den meisten anderen Rollenspielen definieren die Attributswerte den Kern des Charakters. Wie geschickt ist er? Wie stark? Die Generierung dieser Werte obliegt jetzt alleine dem Spieler. Er kann die Kaufpunkteregelung anwenden um eine gute Kontrolle über seine Endwerte zu erhalten. Er kann aber auch die Zufallsmethode wählen. Das bleibt dem Spieler selbst überlassen.

Nun wird es für Mira leichter. Sie möchte etwas Zufall bei den Werten des Charakters einfließen lassen – schließlich hat man auch im ‚wahren Leben’ keinen Einfluss darüber mit welchen Anlagen man geboren wird. Also entscheidet sie sich die Zufallsmethode anzuwenden. Sie würfelt die Werte 8,11,13,17,15,12 und ist sehr zufrieden. Das waren glückliche Würfe!

Entscheidung Nummer 3 – Verteilung der Werte
Auch jetzt kommt wieder ein leichter Schritt wenn man eine grobe Vorstellung seines Charakters im Kopf hat. Die Verteilung der Werte kann unter Umständen (wegen den Rassen – Minima bzw. Maxima) auch die Wahl der Rasse beeinflussen. Hat man bereits eine Vorstellung davon welche Rasse man spielt sollte man hier ein Augenmerk darauf richten.

Hier gilt es, sich selbst treu zu bleiben wenn man später einen ‚farbigen’ Charakter möchte. Es geht hier nicht darum einen ‚typischen’ Charakter zu erschaffen sondern möglichst genau die Idee im Hinterkopf nachzuvollziehen. Im zu Grunde liegenden Beispiel möchte Mira einen Krieger spielen der sich schützend vor seine Kameraden und Schutzbedürftige stellt. Er ist kampferfahren, hat also schon Einiges erlebt. Aber rufen wir uns erst mal die erwürfelten Werte wieder ins Gedächtnis: 8 – 11 – 13 – 17 – 15 – 12. Mit diesen Werten kann Mira nun arbeiten.

Mira hat nun die Attribute vor sich. Sie kann diese Werte auf folgende Grundattribute verteilen: Geschicklichkeit, Stärke, Zähigkeit, Wahrnehmung, Willenskraft und Charisma. Ausgehend von ihrem Bild des Charakters entschließt sie sich, die Werte folgendermaßen zu verteilen:

Geschicklichkeit: 17
Stärke: 13
Zähigkeit: 12
Wahrnehmung: 15
Willenskraft: 11
Charisma: 8

Ihr Charakter ist also sehr aufmerksam und geschickt, aber nicht der charismatischste.

Entscheidung Nummer 4 – Wahl der Rasse
Hier hat der Spieler einen schweren Stand – Earthdawn bietet eine große Auswahl an unterschiedlichen Rassen. Man sollte bei der Auswahl Einiges bedenken:

 

-         Kultur der gewählten Rasse. Passt diese zumindest grob zu meinem Bild im Kopf?

-         Attributsbeschränkungen. Ist es mir möglich zum Beispiel einen Windling mit einer gewissen Stärke zu spielen?

-         Disziplineinschränkungen. Kann ich meine Wunschdisziplin mit dieser Rasse überhaupt spielen?

 

Wenn man die obigen Fragen geklärt hat (die beiden Völker – Bücher sind hier eine große Hilfe!) fällt auch die Wahl der Rasse nicht mehr schwer.

Mira entscheidet sich, eine Menschenfrau zu spielen. Das liegt ihr und damit kann sie sich am Besten identifizieren.

Ausarbeitung des Charakters
Nun sind alle relevanten Entscheidungen getroffen. Der Charakter nimmt allmählich Form an. Wir wissen jetzt, welcher Rasse er zuzurechnen ist und welche Disziplin er ausübt. Auch wissen wir grob über seine Werte Bescheid. Aber so richtig individuell ist das noch nicht, oder?

Bevor wir aber mit den Möglichkeiten von Earthdawn an die Individualisierung gehen sollten wir uns erst einmal einige Gedanken zum wahren Kern eines jeden Charakters machen – dem Charakter eben! Oft ist es schwierig, aus dem Stehgreif einen interessanten Background zu schaffen und einen vielschichtigen Charakter einfach so zu erfinden. Aber hierbei gibt es einige kleine Hilfsmittel um gut zum Ziel zu kommen. Man muss sich selbst nur einige Fragen stellen und diese beantworten.

Wie würdest du den Charakter beschreiben?
Die Gretchenfrage – wie ist er wirklich?. Um hier zu einem Ergebnis zu kommen suchst du dir einfach aus dem Grundbuch oder deinem eigenen Sprachschatz drei Adjektive aus die das Wesen des neuen Charakters beschreiben. Ist er neugierig, vorwitzig, zurückhaltend, schlagfertig, boshaft?

Mira ist nun mit der groben Ausarbeitung ihres Charakters an dem Punkt angelangt an dem es allmählich interessant zu werden beginnt. Sie möchte nun ihrem Charakter etwas Leben einhauchen. Dazu überlegt sie sich einige treffende Adjektive. Er (der Charakter)  soll zurückhaltend sein. Aber auch bestimmt wenn er denn handelt. Und er sollte aufmerksam sein. Um ihren Wert in Wahrnehmung wiederzuspiegeln.

Nun geht es weiter. Finde ein Substantiv das deinen Charakter beschreiben könnte.

Die Grundrisse beginnen sich nun zu formen. Mira beschließt das ihr Charakter anderen Charakteren das Gefühl von Sicherheit vermittelt. Mira wählte also die Adjektive zurückhaltend, bestimmt und aufmerksam. Eine gute Kombination für einen Krieger der sich für seine Kameraden einsetzen möchte. Und als Substantiv wählte sie Sicherheit.

Wie nehmen andere den Charakter wahr?
Im vorhergehenden Schritt hast du bestimmt wie dein Charakter wirklich ist. Aber wir alle wissen das oft die Wahrnehmung von Außen ganz anders aussieht. Das wird bei deinem Charakter auch so sein. Verhaltensweisen werden falsch interpretiert, Menschen werden in Schubladen gesteckt. Wie sieht die Schublade aus in die ein unbedarfter Beobachter deinen Charakter stecken würde?

Mira überlegt. Ihr Charakter hat nun einen Kern. Aber wie wirkt er auf andere? Da er auf Grund seiner Geschichte und ihrer Idee zurückhaltend sein soll könnte der Eindruck entstehen das er wortkarg und in sich zurückgezogen ist. Das er wenige Emotionen nur offen zur Schau stellt. Und wahrscheinlich wird die Bestimmtheit, mit der er dann handelt, sein Gegenüber verwirren wenn er ihn bisher nicht in ‚Aktion’ erlebt hat. Auch überlegt sie das eine Narbe über die linke Gesichtshälfte einen grimmigen und vielleicht sogar verbitterten Eindruck bei ihrem Gegenüber erwecken könnte.

Namen aussuchen
In Earthdawn sind Namen sehr wichtig. Und vielfach ist das ein sehr zeitintensiver Prozess einen passenden Namen für einen Charakter sich auszudenken.

Mira wählt Akira als Charakternamen.

Charakterbeschreibung
Die beiden verschiedenen Bilder sind das Selbstbild und das Fremdbild. Schmeißt man beide in einen Topf so erhält man die Charakterbeschreibung. Diese ist ein unabdingbarer Teil eines Charakters und gehört zur kompletten Charakterdefinition dazu. Hat man Ahnung vom System und der Umwelt so kann man die Charakterbeschreibung noch um ein paar geografische Besonderheiten ergänzen. Hier kannst du dich austoben, lass’ deiner Fantasie ruhig freien Lauf – und gebe eine Begründung warum der Charakter auf Abenteuersuche ist! Hier unser Beispiel:

Miras Charakterbeschreibung von Akira
Akira wurde 1483 TH als Tochter eines fahrenden Händlers und einer Näherin in einem kleinen Dorf in der Nähe von Kratas geboren. Ihre Eltern waren immer für sie da. Eigentlich hatte sie gar keinen Grund, die geborgene Wärme ihrer Eltern zu verlassen. Aber ein Fremder zeigt ihr das Potential auf das in ihr steckte. Es gab einige Spannungen die darin gipfelten das Akira loszog um sich umzusehen. Zuerst staunte sie über die schiere Größe der Hallen von Throal. Dann staunte sie über die Schönheit der Stadt Travar. Sie lernte ihre Fähigkeiten schätzen – und erkannte das sie viel Gutes bewirken kann. Und will das auch! Sie verdingt ihren Lebensunterhalt damit, andere Namensgeber zu schützen. Als sie auf andere Adepten trifft finden diese einige Eigenheiten. Sie schließt sich der Gruppe an.

Akira ist zurückhaltend. Sie trifft ihre Entscheidungen wohlüberlegt und handelt, wenn sie einen Anlass dazu erkennt. Auf andere wirkt sie manchmal etwas grimmig - ein Eindruck der durch ihre Narbe im Gesicht hervorgerufen wird. Diese Narbe hat sie bekommen als sie sich mit zwei Wegelagerern angelegt hat.

Wie sieht der Charakter aus?
Der nächste Punkt ist die Beschreibung des Aussehens. Hier kann man seiner Fantasie beinahe beliebigen freien Lauf lassen. Es ist nicht immer wichtig die gut aussehenden, angenehm sprechenden Charaktere zu spielen. Wäre es nicht interessant mal einen athletischen Magier oder einen phlegmatischen Krieger zu spielen? Lasse dich hier ein bisschen von den gewählten Attributswerten inspirieren!

Mira ist nun beinahe fertig mit ihrem Charakter. Bevor sie nun ihre Ausrüstung auswählt setzt sie sich kurz hin und stellt sich vor wie Akira aussehen könnte. Sie beschließt eine auf den ersten Blick zerbrechliche Kriegerin zu spielen. Sie soll schulterlange, braune Haare besitzen. Ihr Gesicht ist bis auf die Narbe makellos und ihre Hände feingliedrig. Sie ist keine Freundin von schweren Rüstungen und oft leger gekleidet.

Zusammenschreiben!
Nachdem die Charakterbeschreibung und das Aussehen festgelegt wurde schreibst du einfach nur noch die beiden Punkte zusammen. Und fertig ist ein Charakter mit Leben - aber vergiss' nicht die Beschreibung des Charakters bzw. des Aussehens je nach den Geschehnissen zu aktualisieren und zu erweitern. Bringe hier ruhig die Geschehnisse in den erlebten Abenteuern mit ein. So erhält der Charakter leben und wird greifbar. Viel Spaß beim Spielen!

 


  Kommentar Lesen / Verfassen